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22 / 21. Februar 1995 / Postojna / Point Guard

1. Ali, die aktuelle Saison ist deine zweite in Bamberg. Warum hast du dich damals dafür entschieden, in Bamberg zu unterschreiben?

Die Verantwortlichen sind auf mich zugekommen und haben scheinbar Potential gesehen (grinst). Sie haben mir einen Plan aufgezeigt, wie alles laufen soll und mit allem, was mir gesagt wurde, war ich sehr zufrieden. Brose Bamberg ist eines der größten Teams hier in Deutschland und spielt auch EuroLeague, sodass es sehr attraktiv war. Das Gesamtpaket hat mir zugesagt und danach habe ich für mich gesucht.

2. Wie würdest du deine Entwicklung von damals bis hier beschreiben?

Ich denke, ich habe einige große Fortschritte gemacht, was mein Spiel angeht, aber natürlich auch als Person abseits des Feldes. Mit dem BBL-Team zu trainieren und zu spielen, mit den Jungs Zeit zu verbringen, zu sehen wie das Leben auf und neben dem Feld ist, wenn man auf einem sehr sehr hohen Niveau spielt, das hat mir viel geholfen. Aber auch die Tatsache, dass ich in der ProA-Mannschaft spiele und dort mit den Jungs spiele, die ungefähr mein Alter haben, hat mich weitergebracht.

3. Was ist der Unterschied zwischen dem Team vom letzten Jahr und dem Team in diesem Jahr?

Ich würde sagen, es ist die Erfahrung. Letztes Jahr hatten wir Andi Obst, Schmidti und JT noch im Team, also drei Spieler, die schon vor dem letzten Jahr ProA gespielt haben und uns viel Struktur gegeben haben. Außerdem sind wir dieses Jahr ja noch viel jünger, sodass uns an manchen Ecken die Erfahrung wirklich fehlt. Aber nichts desto trotz haben wir unser Bestes gegeben (grinst).

4. Was ist deine Rolle im Team?

Meine Rolle ist, der Leader des Teams zu sein. Ich helfe dem Team zu jedem Zeitpunkt. Ich fühle mich manchmal wie der große Bruder für die jüngeren Spieler (lacht). Aber wir haben alle eine gute Verbindung zueinander und sind wie eine große Familie.

5. Die Saison war ja ein wirkliches Hoch und Runter für die Mannschaft. Wie gehst du damit um, dass ihr manchmal sehr erfolgreich wart und manchmal eher nicht?

Ich glaube, es ist am besten, wenn du trotzdem jeden Tag hart arbeitest und daran glaubst, dass du dich in jedem Spiel verbessern kannst. Aber dadurch, dass wir alle im Team noch nicht so die Erfahrung haben, war es auch normal, dass wir diese Auf und Ab‘s hatten. Aber wir haben immer weiter trainiert und versucht, besser zu werden. Der Lauf der Dinge ist eben, dass es Tage gibt, wo wir gut spielen, und dass es Tage gibt, wo wir es nicht tun. Das ändert aber unsere Mentalität nicht, dass wir besser werden wollen.  

6. Lest ihr denn die Kritiken, die vor und nach den Spielen über euch veröffentlicht werden?

Nein, wir lesen die Berichte über die Spiele nicht. Wir hören darauf, was unser Coach Fabian uns sagt, was er verbessern möchte und was er von unserer Leistung hält.

7. Welchen Ratschlag kannst du den jüngsten Spielern im Team geben?

Sie sollen einfach weiter hart arbeiten, trainieren, bereit sein für ihre Aufgaben und geduldig sein – das ist alles. Es klingt ein bisschen nach einer Floskel, weil es das ist, was eigentlich jeder sagt, aber ich bin auch kein ganz normaler Typ (lacht). Auch wenn ich einer der ältesten Spieler im Team bin, habe ich trotzdem nicht viel Erfahrung, aber wenn ich mit dem Brose-Team trainiere, bin ich nicht mehr einer der Ältesten, dann fühle ich mich eher so, wie sich vielleicht die jüngsten in unserem Team fühlen (lacht). Ich selber halte mich auch an den Ratschlag, den ich den Jungs geben kann und ich denke, er funktioniert.  

8. Du hast den “ProA Youngster des Monats”-Award für den Monat Januar gewonnen. Wie war deine Reaktion auf die Auszeichnung?

Es war schon toll, diesen individuellen Award zu bekommen, aber ich denke eigentlich über diese Auszeichnung nicht allzu viel nach. Für mich zählt der Erfolg des Teams mehr, wenn wir spielen. Ich möchte, dass unser Team erfolgreich ist, so wie das jeder in unserer Mannschaft möchte. Wenn daraus die Nominierung für den Award resultiert, dann freue ich mich natürlich. Aber für mich war es wichtiger, die Spiele mit den Jungs zu gewinnen.  

9. Du wurdest in Slowenien geboren, hast dein Heimatland dann aber verlassen, um Basketball zu spielen. Wie hast du damals mit dem Basketball angefangen?

Mit 16 habe ich Slowenien verlassen, ja. Aber wie ich angefangen habe, Basketball zu spielen, daran kann ich mich eigentlich nicht mehr erinnern. Ich glaube, man hat mir den Basketball einfach in den Hände gedrückt (grinst). Mein Vater war selber Spieler und Coach, auch mein Bruder spielt Basketball, es war sozusagen eine „Family Affair“ (grinst). Ich habe dann einfach auch angefangen zu spielen, mit vier Jahren ungefähr, und bin mit 16 dann nach Sarajevo gegangen um dort zu spielen. Danach bin ich dann nach Bamberg gekommen.

10. Hattest du je Zweifel an Basketball und deiner Karriere?

Es gibt immer ein Risiko, egal welche Entscheidung man trifft. Ob es die richtige oder falsche Entscheidung war, sieht man dann im Laufe der Zeit. Aber ich stehe zu jeder Entscheidung, die ich getroffen habe und versuche, das Beste aus allem herauszuholen. Was man auch immer tut, es ist schließlich die eigene Entscheidung.

11. Was war bis jetzt dein größter Erfolg in deiner Basketballlaufbahn?

Puh, das ist schwer zu sagen, weil ich ja auch noch sehr jung bin (lacht). Natürlich habe ich einige Ziele, aber ich glaube, dass es noch keinen riesen Erfolg in meiner Karriere gab. Das erste Mal EuroLeague zu spielen war natürlich eine große Sache, das kann man schon als Erfolg bezeichnen – ich wollte immer auf dem höchstmöglichen Level spielen -, aber ich bin eher eine Person, die immer höher hinaus möchte und ich hoffe, dass sich das harte Arbeiten und der Wille in der Zukunft auszahlt.

12. Bei euch Profisportlern geht man ja davon aus, dass euer Trainingsalltag sehr tough ist. Wie sieht eine normale Basketballwoche für dich aus?

Auf jeden Fall steht jeden Tag zwei Mal Training an, nur am Tag vor einem Brose-Spiel ist einmal Training, wobei es auch hier immer auf die Spiele und die Belastung in der Woche ankommt. Das ist besonders in dieser Saison mit vielen Spielen wichtig. Es gibt relativ wenig Zeit zum Ausspannen, aber wenn wir freie Zeit haben, versuchen alle, das Bestmögliche aus dieser Zeit zu holen. Normalerweise haben wir einen Tag nach einem Spiel frei und versuchen uns auszuruhen, und auf seinen Körper Acht zu geben.

Man gewöhnt sich auch an das viele Reisen, ich mag Reisen sehr gerne und es ist eben ein Teil des Profibasketball-Lebens.

13. Was möchtest du noch erreichen? Gibt es so etwas wie eine Vision für die nächsten Jahre?

Ich wollte schon immer für einen großen Klub in Europa spielen, das ist eines der Ziele. Aber ich schaue nicht allzu viel in die Zukunft, ich schaue lieber von Ereignis zu Ereignis und baue danach meine Ziele auf.  

14. Wenn jemand dich fragen würde, was du dir wünschen könntest, wenn du dir alles wünschen könntest, was wäre dein Wunsch?

Wow, das ist eine gute Frage (lacht). Über sowas denke ich eigentlich nie nach, daher ist es schwer, darauf zu antworten. Aber vielleicht kann man sagen, dass wenn ich 2,10 Meter groß wäre, würde ich gerne richtig gut dunken können (lacht).

15. Beschreibe dich in fünf Wörtern.

Lustig - Entspannt - Manchmal stur - Manchmal ein wenig zu emotional - Competitive

16. Welche Eigenschaft loben die Coaches bei dir am meisten, und an welcher Fähigkeit arbeitest du oft im Training?

Ich glaube, es ist mein Pass, der oft für gut befunden wird. Die Fähigkeit, an der ich am meisten arbeite, ist meine Verteidigung, da schwanke ich hin und wieder.  

17. Du spielst ja auch in der slowenischen Nationalmannschaft. Was bedeutet dir das?

Es bedeutet mir sehr viel, denn wenn man für sein Land spielen kann, ist es eines der besten Dinge, die man tun kann. Aber in den letzten zwei Jahren konnte ich nicht spielen, weil ich verletzt war. Eine Verletzung sollte eigentlich keine Ausrede sein, aber ich finde, wenn man gesund ist und die Chance hat zu spielen und im Nationalteam zu sein, dann sollte man für sein Land auflaufen. Es war daher auch eine Art Kindheitswunsch, Nationalmannschaft zu spielen, auch weil mein Vater Assistent Coach der Landesauswahl war. Ich habe immer die europäischen Turniere und Weltmeisterschaften geschaut, auch Olympia. Dass zu sehen, hat in mir den Wunsch ausgelöst, auch einmal das Trikot meines Landes überzustreifen.