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geboren am 18. Januar 1997 / geboren in Nürnberg / Power Forward

1. Daniel, mit der Saison 2015/2016 ist deine letzte Jugend-Basketball-Bundesliga-Spielzeit vorbei gegangen, jetzt liegt dein Schwerpunkt auf der ProA-Mannschaft. Mit welchen Zielen und Erwartungen bist du in die Saison gestartet?

Die aktuelle Saison ist das erste Jahr, in dem ich kein Jugendspieler mehr bin, sodass ich nun schon eher als Profispieler angesehen werde. Das heißt natürlich aber auch, dass eventuelle Fehler „härter“ geahndet werden, weshalb ich mich nun auch professioneller verhalten muss. Man muss sich im Klaren sein, dass die basketballerische Jugendzeit nun vorbei ist und das Profileben jetzt anfängt.

2. Du bist ja aktuell noch am Fuß verletzt. Kannst du uns ‘mal auf den aktuellen Stand bringen – wann sehen wir dich auf dem Parkett wieder?

Ich habe die letzten Tage wieder ganz normal trainiert, bin also wieder „back in business“ wie man so schön sagt. Die Verletzung kamklassischerweise beim umknicken im Training, bin blöd gelandet, aber es war keine gravierende Verletzung, sondern einfach nur etwas, das ein wenig Zeit zum Auskurieren gebraucht hat. Ich bin mir sicher, dass man mich am Samstag gegen Urspring wieder auf dem Feld sehen wird.

3. In der letzten Saison hat dich ja eine größere Fußverletzung dazu gezwungen auf der Bank Platz zu nehmen. Wie war das für dich?

Es war schon eine krasse Zeit, auch weil ich davor noch nie so lange und so schwer verletzt war. Eigentlich denkt man sich oft „Meine schlimmste Verletzung dauert nur vier Wochen und dann kann ich wieder spielen“, aber dieses Mal war es so, dass ich dann mehrere Monate draußen war. Das bleibt einem schon im Kopf hängen, auch weil der Kopf sagt man will spielen, aber der eigene Körper spielt nicht mit. Das ist schon hart, wenn man dann auf der Bank sitzt und alle anderen spielen und man selber dabei sein und helfen möchte. Aber dadurch lernt man auch, geduldiger zu sein, auf seinen Körper zu hören und in Zukunft besser mit seinem Körper umzugehen. Wenn man lange verletzt ist, macht man sich schon Gedanken dazu. Meine Mutter sagt immer, dass mein Körper mein Kapital ist und dass ich auf ihn aufpassen muss – so ist das eben. Man hört es oft von den Coaches, dass man sich gesund ernähren soll und auf solche Dinge achten soll, aber erst wirklich bewusst wird einem das, wenn man verletzt ist und anfängt, auf seinen Körper zu hören.

4. In der letzten Saison, bedingt durch deine Verletzung, war deine Rolle kleiner als im jetzigen Team. Wie siehst du jetzt deine Aufgaben?

Dadurch, dass Leon und ich sozusagen die einzigen Big Men im Team sind, muss immer einer von uns beidem auf dem Feld präsent sein und gegen die anderen großen Spieler ankämpfen. Leon macht mir das sehr gut vor, er ist ja auch ein „Biest“ (lacht). So kann ich ihn mir auch in gewisserweise als Vorbild nehmen und mich daran auch anpassen. Ich muss zwar noch an Masse zulegen, woran ich gerade auch arbeite, aber meine Rolle ist es trotzdem, hart zu spielen, besonders in der Verteidigung, und zu schauen, was ich dem Team geben kann. Da ich ja aber erst ein Verletzungsjahr hinter mir habe, wollte ich mir da noch keine allzu großen Ziele setzen, sondern mich erst wieder etablieren.

5. Schaut man sich bei anderen Spielern für sein eigenes Spiel auch etwas ab?

Jeder Spieler hat irgendwie eine eigene Facette, die er ins Spiel mit einbringt, sei es von der Einstellung oder von der Energie auf dem Feld. Leon hilft mir da schon, auch weil ich schon in die Richtung gehen will. Ich werde zwar nie auf seiner Position spielen, aber wie er spielt, schaue ich mir schon ab.

6. Du bist ja sehr gut mit Leon Kratzer befreundet. In den letzten Jahren habt ihr eigentlich immer in den gleichen Teams gespielt. Wie ist die Freundschaft entstanden?

Es gab kein Team, in dem wir nicht zusammen gespielt haben (grinst). Die Freundschaft ist damals in der U14 Bayernauswahl entstanden. Ich kannte damals keinen, denn bei der Bayernauswahl werden ja alle Talente aus ganz Bayern zusammengemixt. Irgendwie bin ich dann zu Leon und seinem Teamkollegen Nico Zimmermann gestoßen, mit denen ich mich sofort verstanden habe. Beide hatten den gleichen Humor und die gleichen Interessen, sodass wir bei der Auswahl die ganze Zeit zusammen verbracht haben. Auch nach den Lehrgängen haben wir immer ’mal wieder gegeneinander gespielt und dann danach ein wenig geredet. Bei allen anderen Lehrgängen die danach kamen war es dann so, dass wir immer zusammen auf einem Zimmer waren, denn man musste immer mit einem Spieler von einem anderen Verein ins Zimmer. Wir haben uns einfach sehr gut verstanden und seitdem sind wir befreundet. Als ich dann nach Bamberg gekommen bin, sollte Leon auch nach Bamberg kommen, sodass ich schließlich auch zugesagt habe. Mittlerweile habe ich schon drei Jahre mit ihm in der Jugend-WG gewohnt, immer Tür an Tür und das ist schon cool, wenn man all das mit seinem Kumpel erleben kann.

7. Wie viel bedeutet es dir, die NBBL-Meisterschaft 2016 mit Leon zusammen gewonnen zu haben?

Das bedeutet mir sehr viel, dazu gibt es auch eine Geschichte, denn Leon und ich standen damals in Kontakt, als Mirko Petrick (ehemaliger Bamberger Jugendcoach, Anm. d. Red.) uns nach Bamberg holen wollte und wir haben gesagt, wenn wir beide in so ein gutes Jugendkonzept des deutschen Meisters wechseln, dann war unser Ziel, dass wir dort zusammen eine Jugend Meisterschaft gewinnen. Eigentlich war das schon für das erste JBBL-Jahr geplant, wo das TOP4-Turnier dann auch in Bamberg stattfand und wir dann auch im Finale standen - doch daraus wurde bekanntlich nichts. Aber umso schöner war es dann, im allerletzten NBBL-Jahr die Meisterschaft zu gewinnen, weil ich denke, dass wir beide diesen Wunsch immernoch im Kopf hatten, für Bamberg gemeinsam eine Meisterschaft zu holen. Natürlich fand ich es auch schön, mit den anderen Jungs die Meisterschaft zu gewinnen, aber eben besonders mit Leon.

8. Du bist einer der Jungs, die im Aufseesianum leben, hast davor in der Jugend-WG in der Stadt gewohnt. Wie ist das Zusammenleben?

Ich muss sagen, es ist sehr lustig (grinst) und hat auch etwas Positives für die Teamchemie. Wenn man zusammen wohnt, verbringt man automatisch mehr Zeit miteinander, was dazu führt, dass man sich auch auf dem Feld besser versteht. Letztes Jahr waren wir 10 Spieler in der WG und acht davon waren in der NBBL-Mannschaft, was denke ich auch ein Schlüssel zum NBBL-Erfolg letztes Jahr war. Manchmal ist es aber auch schwierig, zum Beispiel, wenn man selber Ruhe braucht, aber alle anderen laut sind, aber das kann man dann auch mit den Anderen klären.

9. Auf den ersten Blick seid ihr alle eine bunt zusammengewürfelte Jungs-Truppe, die anscheinend ziemlich viel Spaß zusammen hat. Wer ist die Spaßkanone im Baunacher Team, wer ist der größte Chaot, der Stillste im Team und wer ist der, der alle zusammenhält?

Der Spaßigste und der Chaotischste ist Malik (grinst). Was ich an Malik sehr schätze, ist seine Energie und seine Freude an allem. Er ist eigentlich nie schlecht gelaunt und man erlebt ihn selten niedergeschlagen. Er versucht immer, alle anderen mitzuziehen und zu motivieren. Der Stillste ist Felix, er ist sehr ruhig und gelassen, auch wenn er sich auf ein Spiel vorbereitet ist er eher zurückhaltend, weil er das eben so braucht. Die, die das Team zusammenhalten sind auf jeden Fall Tibor als unser Captain und Dino, weil er trotz seiner Verletzung immer da ist. Er ist der Zweitälteste und ist von seiner Persönlichkeit einfach ein netter Typ und ist stets präsent.

10. Basketballer sind ja dafür bekannt, dass sie sehr viel Wert auf Musik legen. Gibt es einen Team-DJ und wenn ja, welche Songs laufen dann hoch und runter?

Es gibt zwei Team-DJs – einmal Malik und der Zweite bin ich (grinst). Im Bus hören wir ständig Musik, einer von uns beiden schließt immer sein Handy an eine Box an. Gespielt wird eigentlich alles, natürlich viel die klassische Basketballmusik aus Hip Hop und Rap, aber manchmal auch Schlager, bei denen man gut mitsingen kann, wobei das eher selten ist (lacht). Malik, Dino, Leon, Jona und ich sind zudem große Deutschrap-Fans. Deswegen ist der Song der Saison für uns auch „Ohne mein Team“ von Bonez MC, was wir vor jedem und nach jedem Spiel hören. In dem Song geht’s genau darum, dass die Rapper nie etwas ohne ihr Team machen und das selbe gilt für uns auch, das tut uns vorm Spiel gut. Auch unsere ausländischen Spieler singen da mit ;-).

11. Aktuell arbeitest du an deinem Abitur – wie funktioniert die Kombination aus Leistungssport und Schule?

Eigentlich funktioniert es gut, dafür dass man quasi ein „Doppelleben“ aus Schule und Basketball führt. In jedem Fach, in dem man nicht auf „Durchfallen“ oder „auf der Kippe“ steht, läuft es gut. Aber es ist natürlich schwierig, wenn man den ganzen Tag in der Schule war, danach direkt ins Training fährt und sich abends um 21 Uhr nochmal zum Lernen hinsetzen muss. Da ist es schwer, immer die Bestleistung zu bringen, aber man gewöhnt sich daran. Ich glaube, das Wichtigste für eine Profibasketballkarriere ist ein guter Schulabschluss, auch wenn es eine Herausforderung ist. Wenn man aber sieht, dass es in der Schule klappt, dann motiviert einen das einen auch wieder.

12. Beschreibe dich in fünf Wörtern.

• Ehrlich – ich finde, es gibt nichts Schlimmeres als jemanden anzulügen. Ich sage lieber, wie die Sachen sind

• Humorvoll

• Loyal – das ist für mich sehr sehr wichtig

• Hilfsbereit – das resultiert aus der Loyalität. Ich denke mir auch, dass alles was man tut zu einem zurück kommt – man sollte jeden so behandeln, wie man selber behandelt werden möchte

• Relaxed (grinst)

13. Gibt es eine persönliche Bucket-List mit Dingen, die du in deinem Leben noch erreichen willst?

Privat ist das größte Ziel, einfach glücklich zu sein. Was viele Leute als Glück ansehen – großes Haus, viele Autos, viel Geld – ist für mich nicht so wichtig, sondern eher dass man Freunde und Familie hat, die für einen da sind. Das beschreibt auch mein Lieblingssong „Love Yourz“ von J.Cole ganz gut. Ansonsten würde ich gerne mit ein paar Freunden nach der Basketballkarriere die Welt bereisen und meine Eltern so stolz machen, wie es nur geht. Sie sind denke ich jetzt schon stolz, aber ich möchte meinen Eltern auf jeden Fall mal etwas zurückgeben. Auf dem Feld möchte ich meine von Gott gegebenen Möglichkeiten voll ausnutzen und alles geben und aus mir rausholen, was ich kann.

14. Du hast zu Beginn der Saison 2016/2017 einen mehrjährigen Vertrag in Bamberg unterschrieben. Wo soll es basketballerisch für dich noch hingehen?

Ich sehe den Profivertrag als den ersten Schritt in meiner Karriere, als erstes Highlight, aber ich bin noch lange nicht fertig. Hier in Bamberg habe ich die besten Voraussetzungen für mich, mich zu entwickeln und ich bin froh und dankbar, dass ich diesen Schritt hier gehen kann.

15. Wolltest du schon immer Profibasketballer werden?

Seit ich Basketball spiele, schon (grinst). Ich habe schon damals gesagt, dass es schon cool wäre, das zum Beruf zu machen. Früher hat man ja noch nebenbei Fußball gespielt und hat die Fußballstars angehimmelt, dass die mit ihrem Hobby, dem Sport, Geld verdienen können. Ich habe das auch schon immer meiner Mutter gesagt, aber sie hat mich immer angehalten, meine Schule nicht zu vernachlässigen. Als es dann ernster wurde mit dem Basketball, haben mich meine Eltern natürlich unterstützt. Seit ich mit Basketball angefangen habe, habe ich nie an etwas anderes gedacht – da gab es keinen Plan B.

16. Vergangenes Wochenende haben die Young Pikes ja zuhause gegen Nürnberg gespielt, das Hinspiel konntet ihr in der Hinrunde sehr knapp gewinnen. Wie ist es für dich, Spiele gegen deinen Heimatstadt-Verein zu bestreiten?

Ich finde, neben den Playoffs und Meisterschaftsspielen gibt es nichts Besseres, als gegen seinen alten Heimatverein oder in der Heimatstadt zu spielen – da ist die Motivation einfach riesig. Man will der Stadt ja auch zeigen, was man drauf hat. Ich erinnere mich sogar, dass ich in dieser Saison beim Hinspiel in Nürnberg die ersten sechs Punkte in Folge für uns gemacht habe. Das war echt ein gutes Gefühl, wenn man allen Leuten von früher zeigen kann, dass man sich entwickelt hat und was noch vor einem liegt. Damals habe ich in der Halle noch beim Spieltag geholfen, jetzt trete ich dort selber aufs Parkett und deshalb war es schön, dass ich nun selber dort spielen konnte.