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Jörg Mausolf / Teammanager Baunach Young Pikes

1. Jörg, du bist bereits seit vielen Jahren mit dem Baunacher Basketball verbunden – wie kam es überhaupt dazu?

Ich hab recht spät, ich glaube erst mit 14 Jahren als Spieler in Baunach begonnen, musste aber recht früh, bereits mit 19 Jahren, meine aktive Karriere nach 2 Kreuzbandrissen beenden. Nachdem ich aber bereits damals mit dem Basketballvirus infiziert war, habe ich nach Möglichkeiten gesucht, dem Sport erhalten zu bleiben. Da habe ich dann zuerst die Trainerschiene eingeschlagen. Begonnen beim Minibasketball hat mich das bis in die 2. Bundesliga geführt, damals in Rattelsdorf von 1996 bis 2000. Berufsbedingt musste ich aber das Traineramt niederlegen. Dann hatte in der Saison 2005/2006 Wolfgang Heyder einen Assistenten für sich und das Regionalliga-Team in Baunach gesucht. Da bin ich dann wieder eingestiegen. Bereits vorher hatte mich Jochen Hirmke überredet den Abteilungskassier zu machen, das mache ich auch schon gefühlte 100 Jahre. (lacht). Als wir dann in die 2. Bundesliga aufgestiegen sind, konnte ich zeitlich (vermutlich auch inhaltlich) den Trainerjob nicht mehr ausführen. Seitdem bin ich Teammanager.

2. Du bist Teammanager bei den Young Pikes, was genau gehört zu deinen Aufgaben?

Das würde den Rahmen sprengen, dies hier alles zu erwähnen. Einfach ausgedrückt, alles was mit der Mannschaft zu tun hat und nicht Trainersache ist. Teamausrüstung, Spielermeldungen, Terminplanung, Logistik bei Heim- und Auswärtsspielen, Ansprechpartner für die 2. Bundesliga und so weiter. Ich darf mich zum Beispiel auch darum kümmern, wenn Malik oder Arnoldas mal wieder etwas im Hotel oder Bus vergessen haben :-)

3. Der Job scheint dich ja ziemlich zu vereinnahmen – bleibt da noch Zeit für andere Dinge?

Was sollte es sonst noch geben außer Basketball und Familie? Ach so ja richtig, ich habe ja noch meinen Lehrerjob (lacht).

4. Was waren bisher für dich die schönsten Ereignisse mit dem Baunacher ProA- bzw. damals noch ProB-Team?

Der Siegkorb von Andi Obst in Schwelm ist und bleibt das absolute Highlight für mich. Damit hatten wir den Aufstieg in die ProA gesichert. Auch die anschließende Heimfahrt im Bus werde ich nie vergessen. Doch auch das Heimspiel in der BROSE ARENA in unserer ersten ProA-Saison gegen Würzburg vor fast 5.000 Zuschauern ist unvergesslich für mich als Baunacher. Und in jüngerer Vergangenheit der frühzeitige Klassenerhalt letzte Saison mit unserem neuen Trainergespann Fabian und Mark.

5. Glaubst du, dass es eher ein Vorteil oder ein Nachteil ist, dass das Team in diesem Jahr so jung ist?

Das kann man schwer beantworten. Natürlich ist es ein Nachteil - sportlich betrachtet - da man durch die vielen individuellen Fehler, die man als junger Spieler macht, mehr Spiele unnötig verliert als einem lieb ist. Es macht aber unendlich viel Spaß mit so jungen, talentierten Spielern zusammen zu arbeiten. Das sind alles tolle Jungs und man sieht ja auch, wie sehr sie sich verbessern. Das tröstet dann über die vielen Nackenschläge hinweg, die man einstecken muss.

6. Was macht das Team in diesem Jahr aus deiner Sicht so besonders?

Dass wir es nach den Abgängen von Daniel Schmidt, Andi Obst und Johannes Thiemann trotzdem schaffen in einer immer stärker werdenden Liga mitzuhalten. Die Stimmung ist überwiegend positiv und die Jungs sind wirklich eine echte Einheit. Natürlich gibt es unterschiedliche Charaktere, aber die meisten verfolgen uneigennützig das gemeinsame Ziel.

7. Ihr hattet es in der Hinrunde nicht immer einfach, seid des Öfteren auch mal an der Konkurrenz gescheitert. Wie fällt dein Fazit nach der Hälfte der Saison aus?

Es war klar, dass es eine extrem harte Saison werden würde und durch die Verletzungen von Yassin und Dino haben uns gleich zu Beginn die zwei erfahrensten Akteure gefehlt. Der Start war dann auch dementsprechend unbefriedigend. Durch die Siege gegen die direkten Konkurrenten konnten wir uns dann zwar wieder etwas Luft verschaffen, die sechs Niederlagen zuletzt haben dann aber schon dazu geführt, dass wir etwas hinter unseren Wünschen hinterherhinken. Der Sieg gegen Heidelberg letzte Woche war diesbezüglich extrem wichtig.

8. Wie beurteilst du die Entwicklung der Spieler bisher? Wer hat sich deiner Meinung nach besonders gut entwickelt?

Ich möchte hier keinen hervorheben. Man kann bei vielen die Entwicklung an den Statistiken ablesen. Das ist aber nicht immer das entscheidende Kriterium. Man kann sich auch abseits des Feldes entwickeln, das gehört auch zu einem werdenden Profibasketballer dazu. Gefreut hat mich zu Saisonbeginn, wie gut Nico Wolf uns bereits helfen konnte. Leider ist er dann durch eine langwierige Verletzung sehr zurückgeworfen worden. So hat jeder seine Geschichte und jeder hat in seinem Rahmen Fortschritte gemacht. Der eine mehr, der andere weniger.

9. Das Spiel in Kirchheim z.B. war besonders bitter für die Baunacher Basketballer, nur Millisekunden haben über Sieg oder Niederlage entschieden – wie hast du die Partie erlebt?

Komischerweise habe ich sofort gemerkt, dass der Wurf von Malik nicht in der Zeit war. Das ärgerliche war, dass uns vorher eine halbe Sekunde „geklaut“ wurde am Kampfgericht. Daher war die Niederlage schon extrem bitter. Ich habe mir aber im Laufe der Jahre angewöhnt, mich nicht zu lange über Dinge zu ärgern, die ich nicht mehr ändern kann. So ist Sport eben. Mein Spruch ist da immer „im Laufe einer Saison gleicht sich das aus“. Allerdings muss ich da bei meinen zwei Coaches immer viel Überzeugungsarbeit leisten (lacht). Und in dieser Saison bleibt wirklich nicht mehr viel Zeit, damit sich unser vieles Pech wieder ausgleicht…

10. Welches Spiel ist dir – neben dem gegen die Knights – am meisten in Erinnerung geblieben?

Der erste Saisonsieg in Nürnberg. Er war sehr knapp und aus den unterschiedlichsten Gründen Balsam für die Seele.

11. Mit Andi Obst, Johannes Thiemann und Daniel Schmidt haben zur neuen Saison drei Leistungsträger das Team verlassen. Was hat das mit dem Spiel und dem Teamgefüge der Mannschaft gemacht?

Die Mannschaft musste sich erst neu finden. Es gab keinen Anführer mehr im Team. Auch sportlich sind die drei natürlich eigentlich nicht zu ersetzen. Es musste sich alles erst neu finden und mit Ali, Leon und Arnoldas haben sich sportlich neue Anführer gefunden. Spieler, die in der letzten Saison Rollenspieler waren, müssen nun Anführer sein und das Team tragen. Genau dafür sind wir die Young Pikes. Hier kann sich keiner hinter einem US-Profi verstecken. Alle werden gebraucht. Das ist das Besondere an unserem Konzept.

12. Bist du mit diesen Spielern weiterhin in Kontakt?

Mit Andi und JT schon mehr oder weniger regelmäßig, mit Daniel hatte ich bisher noch keinen Kontakt seitdem.

13. Wie schätzt du die Competition in der ProA ein?

Die ProA wird in der Breite besser. Man hat gegen jeden eine Chance, kann aber auch gegen jeden verlieren.

14. Glaubst du, dass die Lücke von der ProA zur BBL in den letzten Jahren eher kleiner oder eher größer geworden ist?

Die Lücke ist definitiv kleiner geworden. Dafür ist die Lücke von der ProB zur ProA größer geworden.

15. Die Rückrunde steht nun an – was können die Fans nach dem Heimsieg gegen Heidelberg von den Baunach Young Pikes noch erwarten?

Wenn ich das wüsste (lacht). Natürlich hoffe ich, dass wir so schnell wie möglich noch vier oder fünf Siege holen, um die Liga frühzeitig zu halten. Es wird allerdings viel darauf ankommen, wie komplett wir in den Begegnungen antreten können. Meiner Meinung nach sind wir komplett fast in der Lage, um die Playoffs mitzuspielen. Allerdings waren wir so gut wie nie komplett und das Thema hat sich erledigt. Wir wollen vor allem unsere Heimspiele gewinnen, um unseren treuen Fans etwas zurückzugeben. Es sind zwar weniger Zuschauer als in der letzten Saison, die Leute, die kommen, identifizieren sich aber voll mit unserem Konzept und sorgen für eine tolle Atmosphäre in der Blauen. Das motiviert die Jungs sehr.