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1. Henri,du bist jetzt seit mehr als einem Jahr in Deutschland. Wie gut ist dein Deutsch inzwischen geworden?

Ich denke, es ist schon gut geworden. Ich kann mittlerweile alles verstehen, aber wirklich fließend deutsch sprechen, fällt mir noch sehr schwer. Meinen Deutschunterricht habe ich zweimal die Woche, das hilft sehr und macht schon Spaß (lacht).

2. Reden deine Mitbewohner im Aufsessianum – du wohnst ja in der Brose Bamberg Talente-WG – mit dir mehr deutsch oder mehr englisch?

Sowohl als auch, auch wenn das Englische momentan natürlich noch besser ist (lacht). Aber ich denke, dass mein Deutsch bald ebenso gut wird.

3. Du hast bei Brose Bamberg einen Sechs-Jahres-Vertrag unterschrieben. Welche Gründe waren dafür ausschlaggebend?

Der Hauptgrund war die Möglichkeit, sich hier wirklich zu einem Basketballprofi zu entwickeln. In Estland ist das überhaupt nicht möglich, weil der Basketball dort nicht so weit entwickelt ist wie in Deutschland. Selbst die estnische Basketballliga ist im Vergleich mit anderen europäischen Ligen eher schlecht und das System, auf dem Basketball dort beruht, ist sehr unübersichtlich. Früher gab es einige „berühmte“ estnische Basketballer, aber das ist lange her.

4. Die neue Saison ist bereits einige Wochen alt, aber davor war ja klassischerweise Offseason. Wie hast du die basketballfreie Zeit verbracht?

Wirklich basketballfreie Zeit gab es für mich in der Offseason nicht, denn ich habe den Sommer mit dem Nationalteam verbracht. Anschließend bin ich direkt in die Saisonvorbereitung eingestiegen und habe mit dem Team von Brose Bamberg und Andrea Trinchieri trainiert. Mein Sommer war also komplett vom Basketball bestimmt.

5. Welche Eindrücke nimmst du von der U18-Europameisterschaft im Sommer mit? Immerhin hast du mit der estnischen Nationalmannschaft Bronze geholt.

Es war ein wirklich toller Sommer, besonders weil die EM in Estland stattfand. Das war wirklich beeindruckend, zuhause vor dem heimischen Publikum so einen Wettbewerb zu spielen. Ich habe es wirklich genossen, besonders weil mir auch die Nationalmannschaft viel bedeutet. Es ist immer toll, wenn man sich mit seinen Landsleuten trifft und mit estnischen Coaches trainiert, da lerne ich viel. Früher habe ich davon geträumt, mein Land zu repräsentieren und es ist schön, dass ich diesen Traum realisieren konnte.

6. Wie war denn das Training mit Andrea Trinchieri?

Es war tough und wirklich hart, aber ich habe daraus viel mitgenommen. Wenn man mit Basketballgrößen wie Bryce Taylor trainieren darf, ist es schon ein kleiner Traum, der sich erfüllt und ich konnte mir einiges von den wirklichen Profispielern abschauen. Das war wirklich super. Ich war zwar der jüngsten in den Reihen der Spieler, aber das war auch irgendwo cool, weil ich jetzt weiß, wo der Weg hingehen kann und ich somit auch mehr Motivation habe, mich zu verbessern. Andrea ist ja dafür bekannt, dass er auch mit den jüngeren Spielern genauso hart arbeitet wie mit den gestandenen Profis, das war bei mir ähnlich. Er will eben, dass auch die Young Guns ihr Bestes geben und lernen, keine Fehler zu machen.

7. Zurück zur aktuellen Saison: Wie fällt ein erstes Fazit von dir aus?

Hmm (überlegt). Die Saison läuft noch nicht so wirklich, wie wir das gerne möchten. Aber schlecht ist die Saison dadurch nicht komplett. Wir lernen schließlich von Spiel zu Spiel dazu und wachsen als Team immer mehr zusammen. Natürlich wissen wir, woran es in vielen Spielen lag, dass wir nicht gewinnen konnten und geben deswegen in jedem Training alles, damit es besser läuft – auch wenn das Training jeden Tag natürlich auch härter wird. Aber wir haben eine gute Teamchemie, alle motivieren sich gegenseitig. Mal sehen, was nach dem ersten Saisonsieg noch kommt. :-)

8. Wie ist es denn für euch, auf die ersten Spiele zurück zuschauen, aber dabei überwiegend auf Niederlagen zurückzusehen?

Wir wollen nicht zurückschauen, sondern richten unseren Spiel nach vorne und auf das, was noch kommt. Was erwartest du im Allgemeinen von der Saison 2017/18? Parallel wirst du auch in der NBBL und der 2. Regionalliga auf Korbjagd gehen. In der NBBL ist es das Ziel, soweit zu kommen wie nur möglich, am besten natürlich bis zum Meistertitel. In der ProA muss das Ziel der Klassenerhalt sein. Da ich in der 2. Regionalliga nur die ersten Spiele mitgemacht habe, kann ich dort nicht all zu viel sagen. Ich weiß aber, dass die Mannschaft für mich als Spieler wichtig ist, weil ich mich da entsprechend entwickeln kann. Deswegen wäre es gut, wenn wir auch dort den Klassenerhalt schaffen. 

10. Dieses Jahr ist deine zweite Saison für die Baunach Young Pikes und das Team ist nahezu komplett neu. Was hältst du von denen neuen Pikes?

Das sind alles gute Jungs (lacht). Wir kommen gut miteinander aus, sowohl auf als auch neben dem Feld. Man kann schon sagen, dass wir alle mittlerweile befreundet sind, deswegen machen wir auch so relativ viel zusammen, wie z.B. essen gehen. Jeder Spieler hat seine Qualitäten und gibt uns das, was wir als Team brauchen. Mein Eindruck von dem ProA-Team ist also durchweg positiv (lacht).

11. Werden wir ‘mal ein wenig persönlicher. Was sind deine Stärken und Schwächen auf dem Feld?

Meine Stärken sind auf jeden Fall meine Größe und meine Schnelligkeit, aber auch denke ich, dass ich gute Scorerqualitäten mitbringe, die ich einsetzen kann. Im Vergleich dazu muss ich meine Verteidigung als Schwäche sehen, aber daran arbeite ich.

12. Welche Schlagzeile würdest du gerne einmal über dich in der Zeitung lesen?

„Henri Drell ist der beste Spieler der Welt!“ und danach sollte ein Text kommen, der beschreibt, wie gut ich spiele (lacht).

13. Beschreibe dich in fünf Wörtern.

Puh (lacht), das ist schwierig. Ich würde sagen, dass ich mich eigentlich nicht selbst beschreiben kann. Aber ich sage: cool, lustig, unkompliziert, müde (lacht) und verrückt.

14. Am kommenden Samstag reist ihr zu den Crailsheim Merlins, die aktuell Tabellenführer sind. Was ist deine Einschätzung zum Spiel?

Das wird ein hartes Spiel, die Merlins gehören zu den Top-Teams in der Liga, noch dazu sind Auswärtsspiele immer etwas schwerer als Heimspiele. Aber Angst davor haben wir nicht - warum sollten wir? Wir möchten den Wettkampf und möchten uns durch die Erfahrungen in der ProA entwickeln, da bleibt das Duell mit dem Tabellenersten der Liga eben nicht aus. Wir werden am Samstag alles geben.