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Jona Hoffmann - 18 Jahre / geb. in Darmstadt / Point Guard


1. Was hat dich dazu bewegt, von Frankfurt nach Bamberg zu wechseln?

Es war definitiv keine leichte Entscheidung, weil Frankfurt und Bamberg meiner Meinung nach zwei der besten Nachwuchsstandorte in Deutschland sind. Bamberg macht tolle Jugendarbeit, ist amtierender deutscher Meister in der NBBL, hat tolle Fans, und letztendlich war es viele verschiedene kleine Dinge, die zu der Entscheidung führte. Die Möglichkeit in Bamberg ProA zu spielen – jetzt und auch perspektivisch – ist eine sehr gute Option und ich glaube, dass nach meiner langen Verletzungspause ein kompletter Neustart ganz gut ist, um jegliche negativen Erinnerungen an die Verletzung zurück zu lassen.

2. Ein Kreuzbandriss hat dich ja lange außer Gefecht gesetzt. Wie kam es zu der Verletzung?

Ich hatte die Vorbereitung letztes Jahr bei den Fraport Skyliners mit dem Bundesligateam machen dürfen und habe mich dabei auch sehr gut gefühlt. Zum ersten Saisonspiel mit der ProB ging es dann nach Lich. Im ersten Viertel stand ich in der Verteidigung, bin hochgesprungen, sodass jemand von der Seite in mich hinein-gesprungen ist. Mir persönlich war von Anfang an klar, dass es sich nicht um etwas Leichtes am Knie handelt sondern um etwas Schlimmeres. Daher war die Saison für mich nach circa fünf Minuten Spielzeit leider schon vorbei.

3. Die Offseason ist nun vorbei – wie hast du die eigentlich basketballfreie Zeit erlebt?

Basketballfrei war es bei mir nicht ganz, da ja bereits die laufende Saison durch meine Verletzung quasi basketballfrei war. Ich war aber viel mit Freunden im Schwimmbad und habe die letzte gemeinsame Zeit mit ihnen in Darmstadt genossen. Gleichzeitig habe ich aber viel Reha für mein Knie gemacht, war viel laufen und habe generell an meiner Athletik gearbeitet, um wieder fit zu werden, da ich eben allen anderen gegenüber athletisch momentan noch einen Rückstand habe. Urlaub habe ich wenig gemacht – mehr als ein Kurzurlaub mit Freunden am Chiemsee war nicht drin.

4. Wie steht es aktuell um deine Gesundheit und werden wir dich im ersten Saisonspiel sehen?

Momentan fühlt sich mein Knie gut an. Bis vor ein paar Monaten stand hinter dem baldigen Sporttreiben auf hohem Niveau noch ein Fragezeichen, aber mittlerweile ist es zumindest alles wieder einigermaßen gut. Ich merke zwar, dass ich die Spritzigkeit und die Athletik von davor noch nicht wieder habe, aber bis jetzt macht das Knie die Belastung komplett mit und ich habe überhaupt keine Schmerzen. Jetzt geht es darum, es nach 11 Monaten Pause nicht zu überhasten. Um das nicht zu tun, stehen Fabian und Mark in ständigem Austausch mit mir. Zusammen mit Dennis und Annette (Athletiktrainer Brose Bamberg, und Physiotherapeutin Brose Bamberg, Anm. d. Red.) mache ich zudem extra Übungen, um meine Muskulatur zusätzlich zu stärken und somit kein Risiko ein zugehen. Die Chance, dass man mich im ersten Saisonspiel sieht, besteht definitiv. Ich trainiere mittlerweile wieder mit Kontakt, aber wenn es sich noch nicht perfekt anfühlt, spiele ich wohl eher nicht. Aber im Moment bin ich guter Dinge und hoffe, dass es klappt.

5. Fabian Villmeter als Head Coach von Baunach kennst du schon aus deiner Zeit in Langen – wie ist das Verhältnis zu ihm?

Das Verhältnis ist sehr gut, das kann man nicht anders sagen, sowohl auf menschlicher als auch auf sportlicher Ebene. Ich stand mit Fabian immer in Kontakt und hatte immer das Gefühl, dass ihm meine Entwicklung wichtig ist, sowohl in Langen als auch hier in Bamberg. Als Trainer schätze ich Fabian sehr.

6. Du wirst in der neuen Saison sowohl in der ProA als auch in der NBBL auf Korbjagd gehen. Beide Mannschaften sind für dich komplett neu. Wie wurdest du in die Teams aufgenommen?

Das NBBL- und das ProA-Team unterscheiden sich ja von den Spielern her nicht unbedingt (lacht). Mit vielen von den Spielern lebe ich im Aufseesianum zusammen, wodurch man natürlich viel Zeit zusammen verbringt, was mir sehr gut gefällt. Aber auch die „älteren“ Spieler in dem ProA-Kader haben mich nett aufgenommen. 

 

7. Wie siehst du deine zukünftige Rolle im Team der Baunach Young Pikes?

Zum jetzigen Zeitpunkt ist das natürlich nicht so einfach zu sagen, weil ich noch nicht wirklich sagen kann, wo ich nach der langen Pause stehe. Aber ich denke, wenn ich erst einmal wieder fit und wieder bei 100 Prozent bin, dann kann ich auf meiner Point Guard-Position eine Führungsrolle übernehmen.

8. Aktuell wohnst du ja - wie du bereits sagtest - im Aufseesianum. Wie sieht so ein typischer Tag dort aus?

Morgens werde ich meistens, weil mein Zimmer direkt neben der Küche liegt, von jemanden geweckt, der die Spülmaschine ausräumt oder auf andere Weise laut in der Küche ist.(lacht). Dann wird gemeinsam gefrühstückt, immer abhängig davon, wann wer Training hat. Momentan frühstücke ich häufig mit Henri, Arnoldas und Felix, weil die anderen Spieler zur Schule gehen. Am Wochenende frühstücken wir meistens alle zusammen. Danach folgt dann das Morgen-Training, bevor es zum gemeinsamen Mittagessen geht. Nach dem Training geht jeder erst einmal in sein Zimmer und schläft (lacht). Ansonsten verbringen wir aber natürlich auch viel Zeit zusammen im Gemeinschaftsraum bzw Wohnzimmer. Abends ist es besonders schön, weil es nie langweilig wird und man nicht allein in seiner Wohnung sitzt, sondern eben mit Gleichaltrigen zusammen seine Zeit verbringt.

9. Wie war die Situation diesbezüglich in Frankfurt?

Ich habe damals zuhause in Darmstadt gewohnt, und bin die meiste Zeit nach Frankfurt gependelt. Ich hatte während der Vorbereitung dann eine WG zusammen mit einem anderen Spieler; während der Saison wäre ich die Strecke zwischen Darmstadt und Frankfurt aber weiterhin gependelt.

10. Würdest du sagen, dass die Jungs im Aufseesianum eine Art Familienersatz sind?

Ja, kann man schon so sagen. Ich habe ja einen jüngeren Bruder und man kann die Jungs durchaus als eine Art Bruderersatz sehen. Chris und Daniel (WG-Betreuer Brose Bamberg, Anm. d. Red.) erfüllen zudem eine Art „Erzieher“-Rolle. Natürlich ist es anders als zuhause, aber bei mir als mittlerweile „Erwachsenem“ geht es auch nicht mehr so sehr darum von jemandem erzogen zu werden. Ich denke besonders für die jüngeren Spieler in der WG können wir älteren Spieler eine Art große „Bruder-Rolle“ übernehmen und ihnen beispielsweise bei Hausaufgaben etc helfen. Meine Familie ist mir, auch wenn ich sie momentan nicht mehr so oft sehe, sehr wichtig und hat mich im Basketball und auch bei allem anderen immer voll unterstützt. Mein Bruder spielt selber Basketball und ich werde mir seine Spiele in der Nähe auf jeden Fall angucken (wenn wir frei haben), genauso wie meine Eltern sich möglichst jedes Spiel von mir in der Nähe von Darmstadt angucken werden.

11. Mit deinen 18 Jahren bist du ja noch relativ jung – wie bist du überhaupt zum Basketball gekommen?

Ich war (und bin) leidenschaftlicher Fußballer und habe wie fast jedes Kind in Deutschland mit Fußballspielen angefangen. Es hat mir auch super viel Spaß gemacht und macht es auch immer noch. Oft spiele ich noch mit meinen Freunden Fußball, an die ich an dieser Stelle viele Grüße nach Darmstadt schicke. :-) Mein Vater hat früher Basketball gespielt und wir hatten immer einen Basketballkorb im Garten, sodass ich ab und zu gespielt habe. Als mein Bruder dann mit Basketball angefangen hat, bin ich auch hingegangen und es hat mir sofort Spaß gemacht. Die ersten zwei bis drei Jahre habe ich neben dem Basketball auch weiterhin Fußball gespielt, aber da ich im Basketball immer besser und besser geworden bin und es mir mehr Spaß gemacht hat, habe ich mich dann letztlich gegen Fußball und für Basketball entschieden. Diese Entscheidung habe ich bis jetzt nie bereut.

12. Kommenden Samstag beginnt die neue Saison in der ProA – was sind deine Ziele mit der Truppe und mit der NBBL?

Mein persönliches Ziel ist es erst einmal, wieder gut reinzukommen und dem ProA-Team so gut zu helfen, wie es geht. Ich möchte mit Baunach so früh wie möglich den Klassenerhalt festigen. Ein Ziel für mich wären natürlich die Playoffs und dann eben von Spiel zu Spiel gucken was möglich ist.

In der NBBL möchte ich meine Jugendbasketballkarriere noch mit einem Meistertitel abschließen. Mit Langen stand ich ja schon zwei Mal beim TOP4, aber es hat leider immer nur bis zum Halbfinale gereicht. Dieses Mal soll es die deutsche Meisterschaft sein.

13. Was möchtest du persönlich im Leben noch erreichen?

Streng gesetzte Ziele habe ich nicht. Basketballerisch ist es für mich ein Ziel, einmal Euroleague zu spielen. Ansonsten ist mir persönlich wichtig, dass – auch wenn es im schlechtesten Fall in ein paar Jahren mit Basketball nicht funktioniert hat – ich auch alles andere mit ganzem Herzen mache und meine Sachen durchziehe, es richtig und nicht nur halb mache. Ziele, wie ein bestimmtes teures Auto oder so etwas, habe ich nicht.

14. Was machst du sonst, wenn du kein Basketball spielst?

Schlafen (lacht). Im Moment ist es schwer zu sagen, weil ich die letzten Jahre neben dem Training und der Schule nicht viel Freizeit hatte. Nach meinem Abi habe ich neben dem Training viel Zeit mit Reha verbracht und Freunde getroffen. Eventuell möchte ich damit beginnen eine neue Fremdsprache zu lernen, um so auch im Kopf fit zu bleiben. Als Plan B für Basketball steht bei mir ein Studium ganz oben auf der Liste. Durch mein gutes Abi habe ich eine gute Grundlage dafür, auch wenn ich natürlich nicht hoffe, dass es mit dem Basketball nicht klappt.

15. Beschreibe dich in fünf Wörtern.

  • Sehr freundlich/höflich
  • Selbstbewusst
  • Ehrgeizig – das was ich mache, will ich dann auch bestmöglich machen
  • Wissbegierig – ich möchte gerne Sachen lernen und es stört mich, wenn ich Sachen nicht weiß
  • Kollegial

16. Am Samstag startet Baunach gegen Paderborn in die Saison. Wie ist deine Einschätzung zum Spiel?

Unsere Vorbereitung war wahrscheinlich sehr anders als die von den restlichen Teams in der ProA, weil ein Großteil unseres Teams mit Brose Bamberg trainiert hat. Aber ich denke, dass wir durchaus das Potential haben, auch im ersten Spiel mit viel Kampf mithalten zu können. Jeder ist motiviert, das merkt man. Eventuell möchten einige der Jungs auch eine Revanche für das letzte Spiel gegen Paderborn. Ich denke, es wird ein knappes Spiel, aber wir werden am Ende gewinnen.