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Beginnen wir mit Kay: Du bist in den letzten Monaten viel herumgekommen, hast basketballtechnisch viel gesehen. Wie war das für dich?

Dafür habe ich nur ein Wort: krass. Es war wirklich krass. Ich war in New York, in Los Angeles – habe da aber nicht wirklich etwas von den Städten gesehen. Es ist eigentlich wirklich schade, dass man dann nur in Turnhallen ist und sonst nichts von der Stadt sieht, aber so ist es meistens. Dafür konnte ich die Chance nutzen und mich mit anderen Spielern meines Alters messen, die in den Staaten oder in anderen europäischen Ländern spielen. Das war eine coole Erfahrung. Wo soll deine Karriere dich noch hinführen Mein oberstes Ziel ist die NBA, da möchte ich unbedingt hin. Diese Saison ist mein zweites ProA Jahr und ich möchte sobald es möglich ist, mein Debüt in der BBL geben. Ich habe schon vor Augen, dass ich immer auf dem bestmöglichen Level und Niveau spielen will, ob es dann Euroleague oder EuroCup oder Champions League ist, sehen wir dann. Aber auf jeden Fall möchte ich in die NBA.

Parallel bist du bis zu deiner Verletzung auch für die NBBL an den Start gegangen –Wie läuft es dort?

Wir sind aktuell das einzige noch ungeschlagene Team, es läuft also gut. Wenn wir weiterhin so fokussiert bleiben und mit einem vollständigen Kader antreten, dann sind wir nahezu eine Art „Übermannschaft“. Da ist in diesem Jahr auf jeden Fall eine Menge drin für uns.

Eddy, du bist ja leider seit September auch mit einer Verletzung raus. Wie ist es dazu gekommen?

Das war bei einem Testspiel in Prag – eine gute Woche vor dem ersten Saisonspiel in Hamburg. Es war bei einem Angriff, wir haben glaube ich Pick’n’Roll gespielt und ich bin zum Korb gezogen und war eigentlich schon fast am Korb bei der Korbleger-Bewegung. Dann ist mein Gegenspieler klassisch in mich reingelaufen. Erst habe ich keinen großen Schmerz gefühlt, ich dachte eher, dass mein Knie geprellt ist oder vielleicht etwas an den Außenbändern ist. Aber dann war es doch ein Kreuzbandriss.

Wie verbringst du deine freie Zeit?

Die meiste Zeit verbringe ich mit meiner Freundin oder bin hier in der Stadt unterwegs, schaue was es hier in der Nähe alles gibt. An Tagen, wo Auswärtsspiele sind, habe ich mir angewöhnt unterwegs zu sein. Ich entdecke momentan unheimlich viel.

Das Gefühl auf der Bank sitzen zu müssen und nur zuschauen zu können, ist sicherlich kein gutes, oder?

Eddy: Das ist schon bitter, anders kann man es nicht beschreiben. Du musst am Rand sitzen und kannst deinem Team nicht helfen. Aber ich versuche, mich nicht darauf zu konzentrieren, sondern auf das Team und für die Jungs dazu sein, sie zu motivieren. Sich während des Spiels auf einen selbst zu konzentrieren, hilft dem Team ja nicht wirklich.

Kay: Mir geht es genauso. Man will unbedingt etwas tun, aber man kann eben nicht. Im Gegensatz zu Eddy bin ich leider noch nicht so weit, dass ich bald wieder eingreifen kann.

Eddy, was kannst du uns zu deiner Genesung erzählen? Wie muss man sich deine Reha vorstellen?

Ich trainiere zweimal täglich und das fünf Tage in der Woche. Dienstags und donnerstags kommen dann noch Invididualeinheiten dazu, damit ich wieder in „Basketballshape“ komme. Es läuft ganz gut.

Warum hast du dich damals für Bamberg entschieden?

Genau genommen hatte Yassin Idbihi einen großen Anteil daran. Ich kannte ihn noch aus Münchener Zeiten und er hatte mich damals angerufen und mir gesagt, dass Bamberg bzw. Baunach einen deutschen Big Man sucht und er mich dafür gerne haben wollte. Ich habe erst gezögert, aber als Yassin nicht lockergelassen hat – er hat wirklich oft nachgefragt und auch mit meinem Agenten immer wieder gesprochen – hab ich gemerkt: Der Klub will mich wirklich. Davon war ich fasziniert. Daher habe ich dann zugesagt.

Was macht Bamberg für dich als Basketballstandort aus?

In Bamberg wird Basketball gelebt, das spürt man einfach. Egal, wo man hinkommt, wird man erkannt. Das ist schon außergewöhnlich, besonders, wenn man bedenkt, dass in Deutschland eigentlich der Fußball an erster Stelle steht. Das ist wirklich einzigartig.

Kay: Mir geht es da ähnlich. Ich bin jetzt seit dreieinhalb Jahren hier in Bamberg und habe früher schon immer aus Neustadt nach Bamberg gschaut und war beeindruckt, wie sehr der Basketball hier gelebt wird. Es ist immer noch eine Ehre für Bamberg zu spielen.

Kay, wie hast du eigentlich damals angefangen, Basketball zu spielen?

Ich habe durch meinen Vater angefangen zu spielen und bin von klein auf immer in irgendwelchen Hallen gewesen und hatte seit meiner Kindheit einen Ball in der Hand. So ist dann eins zum anderen gekommen.

Wolltest du schon immer Basketballprofi werden?

Auf jeden Fall (lacht.)

Du bist ja auch Nationalspieler. Was bedeutet das für dich?

Es ist eine große Ehre, ich kann es oft gar nicht glauben, dass ich zu den 12 Auserwählten gehöre, die für Deutschland bei den wichtigen Turnieren auflaufen. Das ist immer eine tolle Zeit mit der Nationalmannschaft und macht auch unheimlich viel Spaß.

Noch gehst du ja zur Schule – wie schwer ist es, Basketball und schulische Verpflichtungen unter einen Hut zu bekommen?

Man braucht wirklich viel Disziplin und einen Wochenplan, damit man alles unter einen Hut bekommt. Macht man das nicht, wird man schnell anfangen zu straucheln. Die Tage sind durchgetaktet, damit man wirklich alles im Blick hat.

Eddy, wer ist dein Basketball-Vorbild – hast du überhaupt eins?

Ich habe sogar zwei, der erste ist Hakeem Abdul Olajuwon. Schon früher war ich von seinen Moves fasziniert und wollte sie nachmachen. Der zweite ist LeBron James, natürlich. Er ist zurecht einer der besten Spieler der Welt. Von Beginn galt er als „The Chosen one“ und hat das immer und immer wieder bewiesen, das ist wirklich bewunderswert.

Wie seht ihr den Saisonverlauf momentan?

Wir würden sagen, die Saison ist sehr lehrreich. Durch die Up and Downs, die wir hatten, lernen alle unheimlich viel und entwickeln sich weiter. Einfach ist es in der ProA nicht für uns, da wir ein sehr junges Team haben und man bei vielen Spielen auch gemerkt hat, dass uns am Ende die Erfahrung fehlt. Aber wir glauben, dass alle trotzdem etwas Positives aus der Saison ziehen können, was die Weiterentwicklung und den Lernprozess angeht.

Welche Niederlage hat aus eurer Sicht am meisten geschmerzt?

Eddy: Das war ganz klar das Spiel gegen Trier. Nach der ersten Verlängerung, in die wir uns gerettet haben, kam nochmal Hoffnung auf und dann kassierst du nach dem zweiten Overtime trotzdem die Niederlage. Das war wirklich bitter.

Kay: Ja, Trier war wirklich eine Art Tiefpunkt. Generell würde ich sagen, dass die Spiele, die wir über eine längere Zeit verloren haben, eine wirkliche Down-Phase waren. Am Anfang dagegen hatten wir mit den Siegen in Folge einen echten Lauf, den wir leider nicht halten konnten. Umso bitterer war das Trier-Spiel wie Eddy gesagt hat. Wir haben auf der Bank gesessen und konnten einfach nicht helfen – kein gutes Gefühl.

Welches ProA-Team hat euch bisher am meisten überrascht?

Eddy: Für mich ist das ganz klar das Team Ehingen Urspring. Eigentlich sollten sie ja gar nicht mehr in der ProA bleiben und jetzt stehen sie sogar im oberen Teil der Tabelle. Das ist wirklich beeindruckend, vor allem weil sich am Kader nicht wirklich viel verändert hat. Eine echte Überraschung.

Kay: Für mich ist es auch Ehingen, wobei ich sagen muss, dass ich eigentlich kein wirkliches Überraschungsteam habe. Ich finde eher, dass sich die ganze Liga verändert hat – jeder kann jeden schlagen. Die Aufsteiger präsentieren sich super, die ProA-bekannten Teams wie Chemnitz oder Hamburg spielen richtig guten Basketball. Es zeigt sich dieses Jahr eben wieder, dass die ProA sich entwickelt und auch für junge Spieler eine gute Plattform ist.