logoproa logobrosebaskets

Malik Müller

 

1. Wie wird dein Name wirklich ausgesprochen? Malik oder Maliiik?

Beide Varianten sind nicht falsch. Bisher nannte man mich in Deutschland immer Malik. In den USA wird das „i“ in meinem Namen etwas anders betont. Dadurch kam die Abwandlung zustande. Wie das jetzt nach Deutschland kam, kann ich dir gar nicht genau sagen. Vielleicht haben sich ein paar Leute Interviews von mir aus den USA angeschaut und das dann so übernommen. Anfangs war es etwas ungewohnt, dass man mich in Deutschland auch so nennt, aber mittlerweile fühle ich mich bei beidem angesprochen. Hauptsache ist doch, dass die Leute meinen Namen überhaupt wissen. (lacht)

2. Aktuell sieht man dich ja nicht auf dem Parkett in der Blauen. Warum musst du pausieren?

Ich habe mich vor knapp drei Wochen an der Hüfte verletzt, bin aktuell in der Reha- und Aufbauphase und hoffe, dass ich bald wieder schmerzfrei trainieren kann. Ich steige diese Woche wieder ins Training ein, um dann schnellstmöglich wieder in das Spielgeschehen eingreifen zu können.

3. Wie bist du zum Basketball gekommen?

Ich habe mit dem Basketball schon angefangen, seitdem ich laufen kann. Aufgewachsen bin ich in Florida, bis ich vier Jahre alt war. Basketball war die Nummer eins Sportart in meiner Familie väterlicherseits, daher war immer ein Basketball zu Hause. Der Kontakt zu der Sport-art kam daher sehr früh. Nachdem ich dann mit meiner Mutter nach Deutschland gezogen bin, wollte sie, dass ich einen amerikanischen Sport ausübe. Somit habe ich dann mit fünf Jahren angefangen in Offenbach im Verein zu spielen. Dort hat sozusagen meine Karriere begonnen. Zwischenzeitlich habe ich neben dem Basketball noch Tennis und Posaune gespielt, um einen Ausgleich zu haben. Als ich zwölf Jahre alt wurde, musste ich mich allerdings aus Zeitgründen für eine Sache entscheiden. Wie man jetzt sehen kann, habe ich mich für die Teamsportart Basketball entschieden.

4. Deine Karriere begann in Offenbach, ging weiter in Urspring und am College, nun bist du hier – wie siehst du deine Entwicklung bis jetzt?

Wie du schon gesagt hast: Urspring war damals, als ich angefangen habe intensiv Basketball zu spielen, noch DER Mittelpunkt des Jugendbasketballs in Deutschland. Danach habe ich den Schritt gewagt und bin aufs College in die stärkste Liga. Nach zwei Jahren bin ich jetzt hier in Bamberg gelandet, bei dem besten Verein Deutschlands, mit einem super Konzept für junge aufstrebende Spieler. Wenn ich zurückblicke, ging es für mich immer einen Schritt nach vorne und das soll auch weiterhin so bleiben.

5. Warum hast du dich für Bamberg (die Brose Baskets bzw. Baunach Young Pikes) entschieden?

In Deutschland gibt es nur ein paar Clubs, die zusätzlich zum deutschen Ligabetrieb in der Beko BBL auch auf europäischem Niveau mitspielen. Allerdings gibt es nur einen Verein, der die Kombination ProA und Beko BBL anbietet. Als junger Spieler kann man in der ProA bei den Young Pikes spielen und Erfahrung sammeln, zeitgleich aber auch mit dem Erstligateam mittrainieren und viel von den Profis lernen. Das ist einfach unschlagbar! Als das Angebot auf dem Tisch lag, musste ich nicht mehr viel nachdenken, denn wenn du von der besten Mann-schaft in Deutschland eine Anfrage erhältst, von den Besten zu lernen, dich zu beweisen und dir dadurch Spielminuten zu erkämpfen, ist es schwer das abzulehnen. Hinzu kam noch die Nähe zu meiner Heimat Frankfurt, Offenbach und die Größe der Stadt Bamberg. Trainings- und Spielhallen liegen in unmittelbarer Nähe, was für mich ein großer Pluspunkt ist. Allgemein bin ich es seit meiner Internats- und Collegezeit gewohnt, dass alles etwas kleiner und innerhalb kürzester Zeit erreichbar ist. Alles in allem ist Bamberg für mich der perfekte Standort, um meine Basketballkarriere voranzutreiben.

6. Als du damals den Schritt gewagt hast, weg von zu Hause und hin zum Profibasketball – gab es da auch noch andere Angebote als das der Talentschmiede Urspring?

Von Bamberg hatte ich damals noch kein Angebot vorliegen. (lacht) Man darf nicht vergessen: ich war damals 13 Jahre alt, als ich von daheim ausgezogen bin und habe mich kurz vorher erst für diese Sportart entschieden. Ein Dreivierteljahr bevor ich nach Urspring gegangen bin, hatte ich ein Individualtraining mit Holger Geschwindner, das meine Mutter arrangiert hatte. Sie wollte sich erst nochmal vergewissern, ob es sich lohnt so viel Energie in eine Sportart zu stecken bzw. ob ich überhaupt genügend Talent habe, um Profibasketballer zu werden. Holger war es auch, der mich aus dem Nichts heraus angerufen hat und mir ans Herz legte, nach Urspring zu gehen, da die Verantwortlichen dort Interesse hätten mich zu fördern. Er meinte, dass mir dort ein optimales Umfeld geboten wird, um meine Karriere nach vorne zu bringen. Neben Urspring hatte ich damals noch ein Angebot aus Langen und von Eintracht Frankfurt. Aber wenn Holger Geschwinder dich anruft und dir sagt du sollst nach Urspring gehen, dann machst du das. (lacht)

7. Deine Freundin ist ja ebenfalls mit dir nach Bamberg gezogen. Wie hat sie sich eingewöhnt?

Sie hat sich ganz gut eingelebt bisher. Sie nimmt aktuell Deutschkurse, um hier studieren zu können. Es ist natürlich etwas ganz neues für sie, denn bevor sie mit mir nach Deutschland kam, war sie noch nie außerhalb Amerikas. Daher war der Umzug erst einmal ein Kulturschock für sie. Aber ich muss sagen, sie hat sich bisher wirklich gut eingefunden und auch schon neue Freundinnen gewonnen. Natürlich ist das ein langer Prozess, aber es wird von Tag zu Tag besser.

8. Wie fühlt es sich nun an, ein Young Pike zu sein?

Ich finde es sehr schön, ein Young Pike zu sein. Für mich ist es toll, ein Teil der Organisation zu sein, bei einem Team, das so stark gefördert wird und das jüngste der Liga ist. Das ich dort auch noch eine tragende Rolle bekommen habe und mir das Vertrauen geschenkt wird, auchin schwierigen Situationen auf dem Spielfeld zu stehen, ohne dass ein ausländischer Spieler vor mir steht, ist natürlich super. Daher fühlt es sich wirklich toll an, ein Young Pike zu sein.

9. Was ist der größte Unterschied zwischen deutschem und College-Basketball?

Der größte Unterschied ist die Geschwindigkeit des Spiels und die Athletik der einzelnen Spieler. Beim College-Basketball hast du ein riesiges Feld von Spielern, die alle sehr talentiert sind und meistens eine wahnsinnige Athletik vorweisen. Die Spielweise am College ist meist sehr schnell und hart und mit wenigen Systemen im Vergleich zu Deutschland. In der Bundesliga hingegen geht es eher um das Spiel mit dem Tempo. In manchen Situationen macht man das Spiel schnell, aber manchmal ist es eben auch sinnvoller mal das Tempo herauszunehmen und ein System zu spielen.

10. Was sind deine persönlichen Ziele für deine Basketball-Karriere?

Die kann ich natürlich nicht verraten (lacht). Ich werde jetzt erstmal versuchen, hier in Bam-berg Fuß zu fassen und den nächsten Schritt zu machen. Wichtig ist mir persönlich, dass ich am Limit meines Potenzials bin. Ich will auf keinen Fall am Ende meiner Karriere einmal sagen müssen, dass ich unter meinem Bestmöglichen gespielt oder nicht alles aus mir rausgeholt habe. Ich will immer mein Maximum geben und dann sehen, wie weit es mich bringt.

11. Die Baunacher Mannschaft ist die jüngste in der ganzen ProA. Wie sehr merkt man das im Team? Gibt es eine klare Hierarchie oder seid ihr eine große Jungs-Clique?

Ich glaube, in jeder Mannschaft gibt es bzw. sollte es eine Hierarchie geben. Natürlich merkt man den Unterschied zwischen einem etwas jüngeren Spieler, der gerade einmal 16 Jahre alt ist und einem Spieler mit mehr Erfahrung wie Daniel Schmidt. Aber wir kommen alle super miteinander aus, sowohl auf als auch abseits des Spielfelds. Natürlich gibt es Situationen, in denen die jüngeren Spieler Respekt haben sollten und wissen, bis wohin sie gehen können, aber das ist, glaube ich, in jedem Team so. Allgemein würde ich sagen, dass es meistens so ist, dass der älteste Spieler in der Hierarchie ganz oben steht.

12. Wie siehst du deine Rolle im Team?

Ich versuche dem Team das zu geben, was es braucht. Manchmal bedarf es eines Leaders auf dem Spielfeld, der punktet und Assists verteilt; dann gibt es Situationen, in denen ich auf der Bank sitze und die Jungs anfeuere und mental unterstütze. Im Training versuche ich den jüngeren Spielern etwas von meiner bisherigen Basketballerfahrung abzugeben und ihnen auch ein paar Sachen beizubringen. Eine der Rollen der „Älteren“ ist es, den Jüngeren etwas beizubringen und eine Führungsrolle zu übernehmen. Das versuche ich sowohl im Training als auch im Spiel so auszufüllen und das macht mir auch wirklich Spaß.

13. Wie würdest du dich in fünf Wörtern beschreiben?

Ambitioniert – charmant – leidenschaftlich – lustig – zielstrebig

14. Man kennt dich ja eher als gut gelaunten Sunnyboy – wie ist es, wenn Malik Müller einen schlechten Tag hat?

Das ist schwierig. (lacht) Ich glaube, die wenigsten Menschen kennen mich oder sehen mich, wenn ich schlecht gelaunt bin. Wenn ich beispielsweise ein richtig schlechtes Training hatte, versuche ich selbst zu überlegen, was ich hätte besser machen können. Meistens bin ich dann sehr zurückgezogen und setze mich daheim an meinen Laptop und schaue Basketballspiele an, um den mentalen Aspekt meines Spiels zu verbessern.

15. Schauen wir auf das Auswärtsspiel am kommenden Wochenende gegen Nürnberg. Sie sind direkter Konkurrent im Kampf um die Playoff-Plätze. Wie schätzt du die Partie ein?

Ich gehe davon aus, dass das Derby eine große Herausforderung wird. Wie bereits erwähnt, sind sie ein direkter Konkurrent um die Playoff-Plätze, was das Spiel noch wichtiger macht. Ich hoffe, dass ich mich diese Woche wieder so fit bekomme, dass ich dem Team bereits am Wochenende helfen kann, nachdem wir bereits auf Andi Obst und Ali Nikolic verzichten müssen. In der Hinrunde mussten wir leider den Kürzeren ziehen, daher möchten wir uns nun dafür revanchieren. Wir sind in der Lage, dieses Team zu schlagen, wenn wir mit viel Selbstvertrauen und hoher Intensität in das Spiel gehen. Daher werden wir uns jetzt fokussieren und so gut es geht auf Nürnberg vorbereiten, um dann im Spiel alles aus uns herauszuholen und zu versuchen, den Sieg einzufahren.