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Saison 2014/15

28. März 2015: Mit einem sensationellen 73:65-Heimsieg gegen den späteren Meister und BBL-Aufsteiger Gießen 46er sicherten sich die Baunacher Zweitligabasketballer völlig unerwartet den neunten Tabellenplatz und krönten damit ihre erste ProA-Saison. Der Baunacher Abteilungsleiter Jochen Hirmke freute sich sehr über die erfolgreiche Spielzeit: „Damit konnte niemand rechnen. In den vergangenen Jahren sind die Aufsteiger in die ProA zumeist mit Pauken und Trompeten wieder abgestiegen. Wir haben dagegen unser Ziel, den Klassenerhalt, schon vier Spieltage vor Saisonende sichergestellt. Sportlich sind wir deshalb natürlich rundum zufrieden.“

Die Weichen für eine erfolgreiche Saison wurden aber schon in der Off-Season gestellt. Mitte September gelang Bike-Messingschlager Baunach mit der Verpflichtung von Steffen Hamann ein echter Transfercoup, der bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Der 131-fache Nationalspieler wechselte vom FC Bayern München zu Baunach und sollte als Routinier die mit jungen Talenten gespickte Truppe auf und neben dem Spielfeld führen

Der Kader wurde nur mit den drei Amerikanern Marcos Knight, Anthony Lee und Logan Stutz ausgestattet, für ProA-Verhältnisse eine ungewöhnlich geringe Anzahl, denn als Kooperationspartner der Brose Baskets verschrieb man sich der Entwicklung und Förderung talentierter Nachwuchsspieler.

Das jüngste Team der ProA gelang ein Traumstart in die Saison, den wohl selbst die kühnsten Optimisten nicht erwartet hätten. Nach zwei klaren Auswärtssiegen in Jena und Ehingen gewann man auch das erste Heimspiel gegen das von Chris Ensminger trainierte Gotha mit 84:79. Auch von einer deutlichen Schlappe in Paderborn ließ man sich nicht beirren, und fegte Cuxhaven mit 103:65 aus der eigenen Halle.

So kam es, dass die Grün-Weißen als Tabellendritter zum haushohen Aufstiegsfavoriten und ungeschlagenen Favoriten nach Würzburg reisten. Das junge, unerfahrene Team um Head Coach Ivan Pavic ließ sich aber von der lautstarken Kulisse im Frankenderby beeindrucken und schnell den Schneid abkaufen. Letztendlich ging die Begegnung klar und hochverdient mit 86:62 an die Heimmannschaft.

Zu diesem Zeitpunkt sollte jedoch noch niemand ahnen, dass das verlorene Spiel in Würzburg eine Niederlagenserie einleiten sollte, mit der die Mannschaft physisch zu kämpfen hatte. Nach zwei weiteren einkalkulierten Niederlagen gegen Heidelberg und in Gießen, folgte eine äußerst bittere 79:81-Heimniederlage gegen Essen, als man 14 Sekunden vor Ende bei eigenem Einwurf noch mit einem Punkt führte. Aus einem resultierenden Ballverlust schlug ein Dreipunktewurf der Gäste mit der Schlusssirene im Korb ein, was zugleich die vierte Niederlage in Folge bedeutete. Nach einer deutlichen Niederlage bei Aufsteiger Hamburg sollte im Heimspiel gegen Chemnitz der Befreiungsschlag gelingen. Zu Beginn lief auch alles nach Plan: Nach acht Minuten führten die entfesselt aufspielenden Baunacher bereits mit 17 Punkten. Doch es folgte ein unglaublicher Bruch im Spiel, so dass man sogar mit fünf Punkten Rückstand in die Halbzeitpause ging. Nach einer ausgeglichenen und von Unsicherheiten beider Mannschaften geprägten zweiten Halbzeit ging es in die Overtime, in der erneut Baunach knapp das Nachsehen hatte und die Spieler erneut mit hängenden Köpfen und Tränen in den Augen das Spielfeld verließen.

Wenig verwunderlich war ein Wochenende später die siebe Pleite in Serie bei Bundesligaabsteiger Vechta. Längst war die junge, talentierte Truppe im Abstiegskampf. Vor dem kommenden Heimspiel gegen Kirchheim erläuterte Steffen Hamann, dass die Psyche ein entscheidender Grund für die aktuelle Misere sei: „Zum einen verlieren wir natürlich auch immer die engen Spiele, vor allem zu Hause. Zum Ende des Spiels muss ich vielleicht auch einen etwas besseren Job machen, ein bisschen mehr Verantwortung übernehmen, obwohl es natürlich dazugehört, dass junge Spieler in solchen Situationen wachsen. Wir müssen die Last aus unserem Kopf herausbekommen und wieder einmal ein Spiel gewinnen. Dann sind die Jungs auch wieder etwas entspannter und wissen, wie es sich anfühlt, als Sieger vom Platz zu gehen.“

Und am 13. Spieltag sollte den Baunachern tatsächlich die Last genommen werden. Mit einem 102:93-Erfolg über Kirchheim gelang der erste Sieg seit einigen Wochen und vergrößerte den Vorsprung auf einen Abstiegsplatz wieder auf drei Siege. Trotz der schwierigen Zeit setzte Head Coach Ivan Pavic immer wieder auf die Talente und so war es nur folgerichtig, dass in der Partie gegen Kirchheim die jungen Spieler einen großen Teil zum Erfolg beitrugen. Andi Obst netzte sechs Dreier ein und führte sein Team mit 23 Punkten zum Sieg. Auch die Youngster Kratzer (7 Punkte, 8 Rebounds), Thiemann (12 Punkte, 6 Rebounds), Engel (7 Punkte, 6 Assists) sowie Walde (10 Punkte, 5 Rebounds) wussten zu überzeugen.

Was ein Sieg und Selbstvertrauen ausmachen kann, zeigten die kommenden beiden Spiele vor der Winterpause: Zunächst gewann man in Leverkusen mit knapp 30 Punkten Vorsprung, ehe man im Frankenderby den haushohen Favoriten Nürnberg mit 74:70 bezwang und den siebten Saisonsieg einfuhr. Der neunte Tabellenplatz und vier Siege Vorsprung auf Abstiegsplatz 15 bedeuteten für den Kooperationspartner der Brose Baskets ruhige Weihnachten.

Nach einer Niederlage zum Rückrundenauftakt in Heidelberg stand für die „Jungen Wilden“ das Highlight der Saison an: Das Heimspiel in der Brose Arena gegen die s.oliver Baskets Würzburg. Über 1.000 Gästefans und insgesamt 4.900 Besucher verwandelten die Heimspielstätte der Brose Baskets in ein Tollhaus. Nach einer grandiosen Baunacher Aufholjagd in der zweiten Halbzeit sah es beim Stande von 84:80 22 Sekunden vor der Sirene so aus, als ob Baunach die Sensation schaffen würde und dem Goliath eine unerwartete Niederlage beifügen könnte. Doch das spektakuläre Spiel wollte in der Verlängerung entschieden werden, in der die Gäste das bessere und vor allem glücklichere Ende für sich hatten (95:98). Für die vielen Eigengewächse war es dennoch eine tolle Erfahrung in der Brose Arena zu spielen, wie Alex Engel unterstrich: „Es war Wahnsinn vor so einer Kulisse zu spielen. Es war ein super Gefühl.“

 

 

Mit Heimsiegen gegen Leverkusen (77:71) und RASTA Vechta (66:48) konnte man die Niederlagen in Chemnitz (79:84) und Essen (63:78) verkraften. Auch eine 8-Punkte-Niederlage am 23. Spieltag bei den in der Rückrunde deutlich stärker aufspielenden Cuxhaven BasCats konnte das Team um Ivan Pavic nicht mehr aus der Bahn werfen. Nach zwei beeindruckenden Heimsiegen gegen Paderborn (80:63) und Hamburg (87:82) mit einem bärenstarken Dino Dizdarevic (17 Punkte, 4/4 Dreier) rückte nicht nur der Klassenerhalt immer näher, auch auf Playoff-Platz Rang 8 betrug der Rückstand nur noch zwei Siege. Doch die in dieser Phase sehr gut aufgelegten Jenaer (76:83) beendeten die Baunacher vier Heimspiele währende Siegesserie und beendeten damit die Playoff-Träume von Steffen Hamann & Co.

Schließlich konnte am 27. Spieltag durch einen 100:85-Erfolg über Schlusslicht Ehingen auch rechnerisch der Klassenerhalt gesichert werden. Diese Partie kann exemplarisch dafür hergehalten werden, wie sich die Baunacher Talente in der Saison entwickelt hatten und weshalb man auch in der zweithöchsten Liga Deutschlands mit Nachwuchsspielern bestehen kann. Johannes Thiemann drückte mit 20 Punkten und 8 Rebounds der Partie seinen Stempel auf, Andi Obst traf fünf seiner sieben Dreier und erzielte insgesamt 22 Punkte. Zudem steuerte Leon Kratzer mit 13 Punkten und 10 Rebounds ein Double-Double bei. Alex Engel (7 Assists) und Tibor Taras (4 Assists) führten souverän Regie.

Eine aufgrund von Verletzungen dezimierte Baunacher Manschaft war bei der 59:82-Niederlage in Nürnberg chancenlos. Am Ende des Spiels hatte Baunach nur noch fünf spielfähige Akteure aufzuweisen. Doch eine Woche später überraschte man beim Auswärtssieg in Gotha (73:60) den späteren Playoff-Halbfinalisten, ehe man am letzten Spieltag vor heimischer Kulisse den ProA-Meister aus Gießen sensationell besiegte.

Eine grandiose erste ProA-Saison mi einem Zuschauerschnitt von fast 1200 endete für den Aufsteiger mit 14 Siegen auf Rang 9. Auf Hamburg, die den letzten Playoff-Platz belegten, fehlte am Ende nur ein Sieg.